Im Land der Zentauren

“Ich habe manchmal Heimweh, ich weiß nur nicht, wonach.”

Mascha Kaleko

Es war nicht einfach, die Entscheidung wohin die Reise gehen soll. Doch das Land der Zentauren schweifte schon länger in meinem Kopf herum. Griechenland aus dem Bilderbuch. So kam es dann auch und wir fuhren los Richtung Pelion. Etwa 5 Stunden Autofahrt von Athen aus. Wir  durchquerten die ganze Halbinsel, vorbei an grünen Olivenhainen und leuchtend blauem Wasser.

Trikeri , unser Reiseziel, ist ein kleines Bergdorf mit alten Landhäusern und engen Gassen. Wir haben von überall einen wunderschönen Meerblick.

Auf der Suche nach etwas Echtem

Im Gegensatz zum Norden der Halbinsel, mit seinen üppigen Wäldern, ist die Landschaft hier trocken und felsig. Die Sonnenblumen im Norden der Halbinsel,  suchte ich hier vergeblich. So blieb das Skizzenbuch in der Tasche.

Beim Flanieren durch die pittoresken Gassen, mit dem  Rauschen eines zarten Sommerwindes, stellte ich mir vor was für Wesen die Zentauren waren. In der christlichen Kunst des Mittelalters symbolisierten sie die tierische Natur des Menschen.

Massentourismus hat hier bislang noch nicht Fuß fassen können, und die ganze Bergregion gilt als Geheimtipp. Viele griechische Autoren, von Homer bis Euripides, fühlten sich von der wunderschönen Landschaft inspiriert.

Agia Kyriaki

Das kleine urige Fischerdorf hat ungefähr nur 20 ständige Einwohner. Wir bestellten uns etwas zu essen. Hummer, Tintenfisch…so schön angerichtet, dass ich dachte ich müsse ein Foto davon machen. Doch der Blick schweifte wieder aufs Meer hinaus, und das Handy war schnell vergessen.

Mir fiel auf, dass kaum jemand der meist einheimischen Touristen Fotos machte. Vielmehr führten sie ruhige Gespräche und genossen, wie wir, den Blick aufs Meer. Ich erinnerte mich an unseren zweijährigen Aufenthalt auf der Insel Samos und unseren Freund Stavros. Stavros war auch kein Insulaner. Er war Lehrer und kannte die griechische Mythologie wie seine Westentasche. Wann immer wir uns trafen, erzählte er mir von den alten Sagen, und wir sprachen darüber und über die Argonauten.

Paleo Trikeri

Man erzählt sich, dass die kleine Insel ein geheiligter Ort sei. Der Sage nach sollen hier einst die Argonauten angelegt haben, bevor sie weiter segelten in das Land meiner Vorfahren und sich dort niederließen…

Die Argonauten – Theatervorstellung von Karmen Rougeri

“Aber das sind doch nur Mythen!”, sagte ich.

“Nein, das ist die Wahrheit” erwiderte er.

Sonnenaufgang am Tag der Abreise

Ihr Lieben, ich wünsche euch einen schönen Sonntag Abend.